Montag, Oktober 3, 2022
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StartKreis PaderbornAuf einer Fläche von 55 Fußballfeldern kann sich die Natur wieder entfalten

Auf einer Fläche von 55 Fußballfeldern kann sich die Natur wieder entfalten

Zweiter Bauabschnitt der Renaturierung zwischen Büren-Ringelstein und Siddinghausen fertiggestellt

Kreis Paderborn. Ein Mammutprojekt hat jetzt seinen Abschluss gefunden: Auf rund 40 Hektar – das entspricht einer Fläche von gut 55 Fußballfeldern! – hat der Wasserverband Obere Lippe (WOL) die Alme zwischen Büren-Ringelstein und Siddinghausen renaturiert. Es ist das flächenmäßig umfangreichste Renaturierungsprojekt des WOL. Bereits vor fünf Jahren begannen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt (Herbst 2017 – Sommer 2018). Nun wurde die Fertigstellung des im letzten Herbst begonnenen zweiten Bauabschnittes gefeiert. „Viele Beteiligten haben mitgewirkt und dieses Projekt zu einem Erfolg für Natur, Umwelt sowie für die Menschen in der Region gemacht. Unser großer Dank gilt dabei der NRW-Stiftung, die diese 40 Hektar gekauft und uns zur Verfügung gestellt hat“, erklärt Landrat Christoph Rüther, Verbandsvorsteher des WOL.

Vor 150 Jahren begannen die Menschen in diesem Abschnitt der Alme in die Natur einzugreifen. Der Fluss wurde begradigt und gleichzeitig ein System aus Gräben und Wehranlagen errichtet, um Flächen gezielt mit Almewasser zu überströmen. Dadurch wuchs mehr Gras auf den Flächen, was für die Fütterung von Tieren gebraucht wurde. Erst in den 1950er Jahren wurde diese Art der Düngung aufgegeben. „Die Folgen, die solche menschlichen Eingriffe in die Natur haben, zeigten sich nicht zuletzt beim Hochwasser 2007. Dabei wurden Teilen von Büren überschwemmt, während die Almeaue, die das Wasser hätte auffangen können, trocken blieb“, erklärt Volker Karthaus, Geschäftsführer des WOL. Andere Folgen sind häufig für die Menschen nur beim genaueren Hinsehen erkennbar. Insekten, kleine Amphibien, aber auch größere Lebewesen wie Fische, Biber und Fischotter sowie spezielle Pflanzen verloren durch die Begradigung des Flusses ihren Lebensraum. Nun entstehen diese Lebensräume wieder neu: Statt auf ca. 2.550 Metern fliest die Alme nun auf ca. 4.300 Metern gemächlich durch die wiederhergestellten Bögen und Windungen des Flusses. Dazwischen ist Platz entstanden, auf dem sich Pflanzen- und Tierwelt wieder frei entfalten können.

Kleinere Restarbeiten stehen an diesem Abschnitt der Alme noch aus. „Aus Gründen des Amphibien- und Vogelschutzes dürfen einige Arbeiten nur zu bestimmten Jahreszeiten durchgeführt werden“, erklärt Karthaus. Der Ankauf der benötigten Flächen wurde von der NRW-Stiftung finanziert. Die Planungs- und Baukosten der Gesamtmaßnahme in Höhe von 750.000 Euro wurden von der Bezirksregierung Detmold mit 80 Prozent gefördert und anteilig zudem durch Ersatzgelder des Kreises Paderborn unterstützt „Die NRW-Stiftung erwirbt landesweit gezielt Flächen für Zwecke des Naturschutzes. Damit möchte sie Tieren und Pflanzen dauerhaft ein geeignetes Zuhause bieten. So auch hier in an der Alme. Die durch die Renaturierungsmaßnahmen geschaffenen Uferstrukturen eröffnen neue Lebensräume für Flora und Fauna“, betont Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl ergänzt: „Die Umgestaltung der Alme beeindruckt mich sehr. Die Renaturierung leistet einen wichtigen Beitrag sowohl für die Ansiedlung heimischer Tier- und Pflanzenarten als auch für den Hochwasserschutz. Die dafür benötigten zusammenhängenden Flächen hat die Bezirksregierung Detmold durch ein Flurbereinigungsverfahren geschaffen. Die Förderung der Planungs- und Baukosten auch für den jetzt umgesetzten zweiten Bauabschnitt in Höhe von 460.000 Euro zeigt, dass das Land NRW ein besonderes Interesse an naturnahen Flusslandschaften hat.“

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Bildnachweis: Kreis Paderborn /www.thorsten-hennig-fotografie.de

Mit der Fertigstellung ihres umfangreichsten Renaturierungsprojektes ist die Arbeit des Wasserverbandes an der Alme aber noch längst nicht abgeschlossen. Der Fluss ist mit einer Länge von 59 Kilometern das größte Fließgewässer in der Unterhaltung des WOL. 2001 wurde in Alfen mit der streckenweisen Renaturierung des Flusses begonnen. „2022 schreiben wir die Planungen für weitere Abschnitte des Flusses in Schloss Neuhaus und Büren-Brenken aus“, so Karthaus. 38 Hektar stellt hier die NRW-Stiftung für die Wiederherstellung des natürlichen Flussverlaufes zur Verfügung. „Das Projekt ist ein sehr gutes Beispiel für die engagierte Zusammenarbeit aller beteiligten Personen und Institutionen. Zusammen werden wir auch in den nächsten Jahren für die Natur und für die Menschen, die die Flussauen als Spazier- und Naherholungsgebiet nutzen, die Alme wieder in ihren naturgewollten Zustand zurückversetzen“, betont Landrat Rüther.

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