Freitag, September 30, 2022
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Gemeinsam für eine bessere Integration

Kommunales Integrationsmanagement stärkt Unterstützung für Menschen mit Migrationshintergrund im gesamten Kreis Paderborn

Kreis Paderborn (krpb). Vater M. ist mit seiner Familie geflohen und hat in Deutschland Asyl beantragt. Nun hat er einen Brief der Behörden bekommen, dass er geduldet sei. Das amtliche Schreiben hat M. verunsichert: Darf er nun arbeiten und wohin wendet man sich in Deutschland, wenn man Arbeit sucht? Doch dies sind nicht die einzigen Sorgen der Familie: Die Familie möchte gerne aus der Gemeinschaftsunterkunft in eine eigene Wohnung ziehen. Das ältere Kind beendet demnächst die Grundschule und muss bei einer weiterführenden Schule angemeldet werden, das jüngere benötigt einen Kindergartenplatz. Die Mutter ist aufgrund der Erlebnisse auf der Flucht traumatisiert und würde gerne psychologische Unterstützung bekommen. Die Familie kennt sich mit den deutschen Beratungssystemen und Behördenstrukturen nicht aus und weiß nicht, wo sie Hilfe bekommen kann. Für all diese Fragen wird es in jeder Kommune zentrale Ansprechpersonen geben, die Ratsuchende in allen Belangen unterstützen und zielgerichtet an zuständige Stellen vermitteln können. Ermöglicht wird dies durch das Landesprogramm „Kommunales Integrationsmanagement“ (KIM).

„Migration und Integration sind und bleiben zentrale Themen bei uns im Kreis Paderborn. Eins ist uns doch allen klar: Integration kann nur gelingen, wenn wir alle zusammenarbeiten und die verschiedenen Ämter, freien Träger, haupt- und ehrenamtliche Akteure vernetzen“, betont Landrat Christoph Rüther. Für viele Zugewanderte sind bei der Integration die verschiedenen Verwaltungsstrukturen und Behördenabläufe die erste Hürde. Fehlende Sprachkenntnisse verstärken oft das Problem. „Mit dem Ansatz des KIM unterstützt das Land NRW die Integration vor Ort. Die Förderung macht es möglich, dass in jeder der zehn kreisangehörigen Kommunen sogenannte Case-Management-Stellen eingerichtet werden können“ unterstreicht Petra Bolte, Leiterin des Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) des Kreises Paderborn. Dabei versteht sich das KIM als Ergänzung zu bestehenden Strukturen und Angeboten der Wohlfahrtsverbände und freien Träger. „Wir werden keine Doppelstrukturen schaffen und wir werden keine bestehenden Angebote ersetzen“, betont Bolte. Das BIZ koordiniert das Kommunale Integrationsmanagement und hat dazu ein gleichnamiges Sachgebiet eingerichtet.

Rund 90.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben im Kreis Paderborn – das sind rund 30 Prozent. Die Zahl der Einbürgerungen und Schutzsuchenden ist in den letzten Jahren stabil geblieben. „Einwanderung ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern bleibt eine dauerhafte Aufgabe, der wir uns gerne annehmen. Denn jede gelungene Integration stärkt und bereichert unser Gemeinwesen“, erklärt Landrat Rüther. An Flüchtlinge aus der Ukraine hätte das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW bei der Schaffung des Förderprograms KIM im Jahr 2020 noch gar nicht gedacht. Dass KIM nun zeitgleich mit der Neuankunft vieler Flüchtlinge an den Start geht, sei ein glücklicher Zufall. Das werde die Erstorientierung der geflüchteten Menschen vielerorts erleichtern. „Unsere Case Managerinnen und Manager arbeiten dabei eng mit den zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren vor Ort zusammen, die seit vielen Jahren hervorragende Arbeit im Bereich Migration und Integration leisten“, so Rüther.

Perspektivisch wird in jeder Kommune eine Case Managerin oder ein Case Manager eingesetzt. Einzig in der Stadt Paderborn sind es aufgrund der Einwohnerzahl vier Case Managerinnen bzw. Manager. Anstellungsträger ist dabei entweder das BIZ oder die jeweilige Kommune selbst. Finanziert werden die Stellen durch die Landesförderung. Die ersten vier Case Managerinnen und Manager werden im April ihre Arbeit in den Kommunen Borchen, Bad Lippspringe, Salzkotten und Büren aufnehmen. „Gemeinsam mit der Kommune und den zentralen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in der Integrationsarbeit werden Case Managerinnen und Manager im ersten Schritt Unterstützungsbedarfe und Zielgruppen vor Ort ermitteln“, beschreibt Katrin Neumann, Sachgebietsleitung des Kommunalen Integrationsmanagements. Der Kreis Paderborn wird die einzelnen Case Managerinnen und Case Manager einzeln vorstellen, wenn sie ihre Arbeit in den Kommunen aufnehmen.

Neben der persönlichen Eins-zu-eins-Beratung der Geflüchteten verfolgen die Verantwortlichen mit KIM vor allem dieses Ziel: „Das KIM ist einerseits dazu gedacht, Strukturen dort zu stärken und zu ergänzen, wo es nötig ist. Gleichzeitig können wir durch die enge Verzahnung mit den Behörden und Kommunen, den Trägern der Wohlfahrtspflege und den ehrenamtlichen Initiativen vor Ort genauer analysieren, wo Abläufe zwischen den Behörden verbessert und fehlende Unterstützungsstrukturen vor Ort ergänzt werden können“, verdeutlicht Annette Mühlenhoff, Dezernentin beim Kreis Paderborn.

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